Mondbeobachtung

Am besten beobachtet man die Mondsichel an ihrer Schattengrenze, dem Terminator, der in 14,5 Tagen den Mond überstreicht. So gelang mir am 5. Abend nach Neumond im September 2000 folgende Aufnahme: Mit der 40-fachen Vergrößerung ist die Mondsichel noch vollständig zu sehen. Deutlich kann man an Hand der Nummern folgende 3 Meere identifizieren:

* das Nektarmeer (1)
* das Meer der Fruchtbarkeit (2)
* das Meer der Gefahren (3)

Das Nektarmeer hat einen Durchmesser von 350 km. Es soll ca. 3,9 Milliarden Jahre alt sein. Damit man sich besser orientieren kann, habe ich ein Kompasssymbol links oben im Bild eingezeichnet. Es mag verwunderlich sein, dass ich die Nordrichtung nach unten gewählt habe, aber mit einem Refraktor-Teleskop erscheinen die Objekte auf dem Kopf. Am Westrand des Nektarmeers haben mich besonders 3 Krater beeindruckt:

* Catharina (4)
* Cyrillus (5)
* Theophilus (6)

Weiterhin habe ich den ungefähren Landeplatz von der bemannten Mondmission Apollo 17 mit einem x gekennzeichnet.
Da die Luftruhe groß war (R2), konnte ich am gleichen Abend noch einen Ausschnitt von der Gegend mit einer Vergrößerung von 100 erstellen. Beachten Sie dazu das 2. Bild. Im Süden des Nektarmeers befindet sich der Krater Fracastor (3) Er hat einen Durchmesser von 125 km. Seine gleiche dunkle Farbe deutet darauf hin, daß er mit Lava gefüllt ist, die über seinen Nordwall aus dem Nektarmeer eindrang. Der fehlende Zentralberg ist ein weiteres Indiz für diesen Vorgang. Der Krater Catharina (4) ist der älteste der 3 Krater. Er hat einen Durchmesser von ca. 100 km und sein Wall ist etwa 3000 m hoch. Geht man weiter Richtung NNO, so identifiziert man den gleichgroßen Krater Cyrillus (5) und dann Theophilus (6). Dieser zeichnet sich durch einen schönen Zentralberg aus. Theophilus ist der jüngste der Triologie. Man erkennt dies an seinem unversehrten Wall, der in Cyrillus hineinragt. Besondere Aufmerksamkeit sollte man dem Geisterkrater Beaumont (7) schenken. Geisterkrater sind zunächst auf normalem Wege entstanden, sind aber später in den Lavaströmen der Mare untergegangen. Von ihnen kann man heute nur noch die Ränder des Walls erkennen. Manchmal sieht man auch nur eine kreisförmige Welle. Östlich von Theophilus entdeckt man noch den jungen Mädler (8). Er trennt das Nektarmeer von der Bucht der Rauheit im Norden. Interessant ist auch noch das Paar Isidorus (9) und Capella (10). Wer genau hinsieht, erkennt, dass Capella jünger als Isidorus ist. Das Meer der Fruchtbarkeit habe ich in diesem Bild mit der Zahl 2 gekennzeichnet.

Ähnliche Sichtbedingungen wie am 5. Abend nach Neumond hatte ich am 11. Abend. Eine Aufnahme mit 100-facher Vergrößerung ist im
3. Bild dargestellt. Neben dem Meer der Feuchtigkeit (1) mit seinen 380 km Druchmesser dominiert hier der Krater Gassendi (2). Er misst ca 90-100 km und besitzt eine Zentralberggruppe mit 3 Gipfeln. Leider wird sie in meinem Foto nicht aufgelöst. Deutlich erkennt man aber, dass der Kraterwall durch Gassendi P (3) zerstört wurde. Gassendi P ist demnach später entstanden. Im Süden des Meeres der Feuchtigkeit erkennt man den teilweise versunkenen Krater Doppelmayer (4). Er weist einen Durchmesser von 65 km auf und hat einen Zentralberg von ca. 2000 m Höhe. Ein weiterer schöner Zentralberg schmückt der Kater Vitello (5). Sein Wall zeigt im Nordosten eine Lücke. Leider habe ich am 11. Abend meine Aufnahme 15 Minuten zu früh geschossen. Sonst hätte man noch die Liebigwand und die Mersenius Rillen beobachten können. Sie liegen in diesem Bild noch im Dunkeln westlich der Nummer 1. Rillen sind vermutlich unterirdische Gänge, in denen Lava geflossen ist und die dann später eingebrochen sind. Es können aber auch auseinanderdriftende tektonische Platten der Mondkruste sein, wie wir sie auf der Erde finden. Mit viel Phantasie kann man noch den Geisterkrater (Puiseux, Durchmesser 25 km mit einem 400 m hohem Wall) südöstlich der Nummer 2 ausmachen.

Sie werden sich vielleicht wundern, woher ich die Bezeichnungen der einzelnen Objekte so genau kenne.

Diese Informationen findet man in dem hervorragenden Buch:

Der Kosmos Mondführer
Jean Lacroux und Christian Legrand,
Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.
Stuttgart 2000
ISBN: 3-440-08447-7

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